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Info zur Kirche – Gebäude, Geschichte

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Bärstadt ist wahrscheinlich eine Gründung der fränkischen Könige. Dafür spricht der Ortsname mit “-stadt” und die Lage an der früheren Hohen Straße (Bäderstraße), die heute in einigem Abstand an Bärstadt vorbeiführt, früher jedoch durch den Ort ging. Außerdem spricht für dieses Alter der Name der Kirche: Martinskirche. Die fränkischen Könige im 6. Jh. pflegten entlang der großen Verkehrswege Orte zu gründen, von denen aus sie auf Reisen das Reich verwalteten. Ihr beliebtester Namenspatron für die jeweils zugehörigen Kirchen war St. Martin.

Bärstadt war lange Zeit das Zentrum eines ausgedehnten Kirchspiels, zu dem insgesamt 15 Dörfer gehörten, darunter bis ins 13. Jh. auch das heutige Bad Schwalbach, und bis Ende des 19. Jahrhunderts Schlangenbad. Durch die Entdeckung der Quellen und die Entwicklung des Bäderwesens verlor Bärstadt seine Funktion als lokales Zentrum an Bad Schwalbach. Zur heutigen Kirchengemeinde zählen neben Bärstadt (650 Gemeindeglieder) die Außenorte Hausen v. d. H. (327), Fischbach (188 - mit eigener Kapelle aus dem Jahre 1955) und Langenseifen (272). (Gesamt: 1437 Gemeindeglieder im Frühjahr 1997)

Heute gehört die Kirchengemeinde Bärstadt zum Dekanat Bad Schwalbach, das sich von Hohenstein und Taunusstein im Taunus bis nach Rüdesheim am Rhein erstreckt.

Man vermutet, dass an der Stelle der Martinskirche seit 14 Jahrhunderten Kirchen standen. Im Turm und in den Grundmauern gibt es romanische Bauteile. Außerdem wurden bei Ausschachtungsarbeiten Bodenplatten eines Vorgängerbaus gefunden, die um 1250 hergestellt wurden.1996 wurden sie in der Nähe des Taufsteins in den heutigen Boden eingesetzt. Die älteste Glocke wurde zwischen 1200 und 1250 gegossen. Der Kirchenbau aber, wie er heute steht, stammt erst aus den Jahren 1709-1717. Er steht in einem kleinen Park, der bis ins 18. Jahrhundert Kirchhof war, woran noch einige alte Grabsteine erinnern.

Wenn man über das Gelände geht, ahnt man, dass es sich um eine alte Klosteranlage handelt. Tatsächlich wurden bei Bauarbeiten in der angrenzenden Hauptstraße Reste einer alten Klostermauer gefunden.

Was den Kirchenraum prägt, ist die geistliche Qualität, die dieser Raum dadurch gewonnen hat, dass an dieser Stelle seit vielen Jahrhunderten Gottesdienste gefeiert werden.

Im Kirchenraum fällt als erstes die Orgel ins Auge. Sie ist 230 Jahre alt und stammt von der Orgelbaufamilie Stumm im Hunsrück und stellt mit ihren zwei Manualen und ihren 24 Registern, von denen sechs Zungenregister sind, unter den Dorfkirchenorgeln eine Besonderheit dar. Sie gilt als die wertvollste Denkmalsorgel in Südnassau und wird von vielen Organisten aus ganz Deutschland gerne gespielt. Weitere Informationen zur Orgel unter www.projektchor.de

Unter der Orgel befindet sich die Kanzel. Daraus kann man ersehen, dass die Kirchengemeinde Bärstadt ursprünglich rein Calvinistisch geprägt war. In der reformierten Theologie, die auf Johannes Calvin zurückgeht, steht das WORT, die Predigt im Mittelpunkt, deshalb musste auch die Kanzel im Zentrum sein. In lutherischen Kirchen dagegen sieht man die Kanzel in der Regel auf der Seite - weil der Gottesdienst ja noch mehr Sinne ansprechen soll, als nur den Kopf. Heute ist unsere Kirchengemeinde als Teil der unierten Landeskirche in Hessen und Nassau von beiden Traditionen geprägt, und unsere Liturgie ist eher lutherisch.

Im Kirchenschiff befindet sich ein spätgotischer Taufstein, der ungefähr aus der gleichen Zeit stammen dürfte, wie die beiden jüngeren Glocken, die im Jahr 1468 von dem Glockengießer Paulus zu Uedersdorf zu Andernach gegossen wurden. Der Taufstein bildet zusammen mit einem Rokoko-Kruzifix aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts und der Osterkerze einen eigenen Schwerpunkt: Tod und Auferstehung werden seit vielen Jahrhunderten an dieser Stelle in der Taufe vergegenwärtigt.

Auf dem Gelände steht außerdem das Pfarrhaus, das seine heutige Gestalt in den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts erhalten hat, sowie das Gemeindehaus, das 1991 mit viel Stilgefühl in das bestehende Gebäudeensemble eingefügt wurde.

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